Über Immer wieder Sonntags
Wer sonntags in den Sommermonaten durchs Programm zappte, kannte sie vermutlich sofort: „Immer wieder sonntags" lief seit 1995 als 90- bis 120-minütige Live-Show am Vormittag im Ersten, meist rund zehn Wochen am Stück über den Sommer verteilt. Konzipiert als ARD-Antwort auf den ZDF-Fernsehgarten, mischte die Sendung Schlager- und Volksmusik-Auftritte mit Talk, kleinen Wettbewerben und Comedy-Einlagen, meist live vor Publikum unter freiem Himmel. Seit 1998 fanden die Aufzeichnungen im Europa-Park-Erlebnis-Resort in Rust statt, wo im selben Jahr auch Kimmig Entertainment aus dem badischen Oberkirch die Produktion im Auftrag des SWR übernahm.
Wie alles begann
Am 11. Juni 1995 ging die erste Ausgabe auf Sendung, moderiert von Max Schautzer, der die Show bis 2003 begleitete. Die ersten Jahre waren dabei noch nicht so sesshaft wie später: 1996 wurde eine Ausgabe sogar auf der Landesgartenschau in Sachsen aufgezeichnet, ehe sich die Sendung ab 1998 dauerhaft im Europa-Park niederließ. Weil in der Anfangszeit außerdem jeder Programmpunkt strikt auf maximal drei Minuten begrenzt war und die Reihenfolge der Rubriken schon zu Saisonbeginn feststand, wirkte das frühe Format streng durchgetaktet. Entsprechend musste sich die Sendung anfangs Kritik gefallen lassen, sie sei nur ein Abklatsch des etablierten Fernsehgartens.
Nachdem Schautzer aufgehört hatte, übernahm 2004 zunächst Sebastian Deyle, unter dem die Quoten spürbar sanken. Erst mit Stefan Mross, der die Sendung ab dem 19. Juni 2005 moderierte, kehrte der Erfolg zurück: Der gelernte Trompeter brachte ein lockereres, spontaneres Konzept mit, das die Show binnen kurzer Zeit zum Kultformat machte. Abgesehen von einzelnen Vertretungen – 2010 durch Axel Bulthaupt, 2014 nach seinem Chili-Kollaps durch Marc Pircher und Guido Cantz, 2022 durch Bernhard Brink und Uta Bresan – blieb Mross seit 2005 durchgehend das prägende Gesicht der Sendung. Er moderierte sie bis zum Schluss.
Der Grund fürs Aus – trotz guter Quoten
Am 20. März 2026 verkündeten SWR und ARD überraschend das Ende der Sendung. SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler begründete den Schritt zunächst mit der wirtschaftlichen Situation des Senders: Angesichts sinkender linearer Fernsehnutzung und knapper werdender Budgets bleibe keine andere Wahl. Ein Teil der freiwerdenden Mittel solle stattdessen in neue digitale Formate fließen, die stärker auf die ARD-Mediathek und ein jüngeres Publikum zugeschnitten seien.
Dahinter steckt offenbar mehr als reines Sparen. Nicht mangelnde Popularität sei ausschlaggebend gewesen, hieß es zur Begründung, sondern eine bewusste strategische Neuausrichtung weg von linearer Sonntagvormittags-Unterhaltung, hin zu digitalen Formaten für veränderte Sehgewohnheiten. Ganz aufgeben will der Sender die Schlagerunterhaltung damit aber nicht: „Schlager-Spaß mit Andy Borg" läuft vorerst weiter – allerdings, wie Bratzler betonte, nur „solange Andy das machen möchte, solange wir uns das auch leisten können". Ob die Show den frei werdenden Sonntagsplatz von „Immer wieder sonntags" übernimmt, ließ er offen. Ab 2027 soll sie zudem nicht mehr in den SWR-Studios in Baden-Baden, sondern extern bei Kimmig Entertainment produziert werden – also ausgerechnet bei der Firma, die schon „Immer wieder sonntags" produzierte.
Ungewöhnlich an der Entscheidung: Sie traf keine schwächelnde Sendung. Im Schnitt schalteten 2025 rund 1,3 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer ein, das entsprach einem Marktanteil von über 17 Prozent. Auch in der Abschiedsstaffel blieben die Zahlen stabil bis gut: 1,40 Millionen Zuschauer und 18,8 Prozent Marktanteil am 14. Juni, 1,33 Millionen und 18,3 Prozent am 30. August. Selbst Bratzler nannte die Entscheidung später in einem Radiointerview „die schwierigste" seiner gesamten Amtszeit. Er betonte zugleich, sie sei nicht von ihm allein, sondern gemeinsam von SWR und ARD getroffen worden.
„Du hast mich rausgeschmissen": Wie Mross sich fühlte
Öffentlich hielt sich Stefan Mross beim Finale selbst noch zurück. Bei der offiziellen Abschiedsfeier des SWR wenige Tage später brach sich sein Frust dann Bahn. Nachdem Sender-Verantwortliche rund eine Stunde lang Lobreden auf das gerade beendete Format gehalten hatten, verglich Mross die Veranstaltung mit einer Bestattungsrede und wandte sich direkt an Programmdirektor Bratzler: „Du hast mich rausgeschmissen! Ja, genau das ist passiert! Aber du hast nicht nur mich rausgeworfen, sondern ein ganzes Format abgeschafft."
Weil ihm zu viel „negative Energie" im Raum war, verließ er die Feier vorzeitig und kehrte nicht zurück. Loyalität sehe er nur gegenüber seiner Crew, erklärte er später. Bratzler reagierte Tage danach in einem Radiointerview vergleichsweise versöhnlich: Er wisse, wie hart die Entscheidung für Mross gewesen sei, und wünsche ihm „wirklich alles, alles Gute". Die Bühne im Europa-Park stehe ihm damit allerdings erstmal nicht mehr zur Verfügung.
Etwas nachdenklicher klang später ein weiterer Satz von Mross: Ein ehrliches „Du bist zu alt" hätte er nach eigener Aussage eher akzeptiert als eine Begründung, die ihm angesichts der eigentlich guten Zahlen kaum nachvollziehbar erschien.
Fünf Momente, die die Sendungsgeschichte prägten
In 31 Jahren und 378 Folgen über 31 Staffeln hinweg sammelten sich einige Momente an, an die sich Fans bis heute erinnern:
- Der Heiratsantrags-Streich (2010): Bei „Immer wieder sonntags" tappte Mross in eine von „Verstehen Sie Spaß?" inszenierte Falle. Ein fingierter Heiratsantrag brachte ihn sichtlich aus der Fassung, ehe Guido Cantz ihn auflöste.
- Der Chili-Kollaps (2014): Bei einer Live-Challenge mit scharfer Chilisauce unterschätzte Mross die Schärfe komplett, bekam vor laufender Kamera Atemnot und musste die Sendung abbrechen. Er kollabierte hinter der Bühne und wurde ins Krankenhaus gebracht – ein Moment, der zeigte, wie unberechenbar die vermeintlich harmlose Familienunterhaltung mitunter sein konnte.
- Die Flutkatastrophen-Ausgabe (2021): Statt gewohnter Leichtigkeit stand ganz die Anteilnahme mit den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe im Mittelpunkt, begleitet von Spendenaufrufen und dem gemeinsam gesungenen Lied „Hand in Hand" – ein seltener ernster Ton in einem sonst auf Unterhaltung ausgelegten Format.
- Der Umzug in die neue Arena bei Rulantica (2022): Mit neuer, nordisch gestalteter Bühne im direkt benachbarten Wasserpark Rulantica bekam die Show nach Jahren am gleichen Fleck ein spürbar frisches optisches Gesicht.
- Der Paddleboard-Sturz (2023): Live vor laufender Kamera verlor Mross bei einer Wassereinlage das Gleichgewicht und fiel ins Becken – ungeplant, aber genau die Art von Slapstick-Moment, für die die Sendung bei ihren Fans beliebt war.
Auch abseits dieser Liste zeigte die Sendung 2025 ihre menschliche Seite: Nachdem Mross' Mutter gestorben war, moderierte kurzerhand seine frühere Ehefrau und Sängerkollegin Stefanie Hertel die Ausgabe, mit persönlichen Worten für ihn.
Das Finale: Tränen, Überraschungsgäste und ein letzter Satz
Am 6. September 2026 lief zwei Stunden lang die letzte Live-Ausgabe aus dem Europa-Park, mit Andy Borg, Stefanie Hertel und voXXclub als Gästen sowie mehreren Überraschungsauftritten, von denen selbst Mross vorab nichts wusste. Die Jungen Zillertaler, die schon 2005 in seiner allerersten Ausgabe aufgetreten waren, kehrten für den Anlass zurück. Andy Borg sang eine umgetextete Version seines bekanntesten Songs, in der aus „Sarah" „Stefan" wurde, Semino Rossi coverte „La Paloma", und Marianne und Michael jodelten eine eigens umgeschriebene Zeile. Per Videoschalte meldete sich sogar Andrea Kiewel, die Moderatorin des konkurrierenden ZDF-Fernsehgartens.
Mross selbst rang sichtlich mit den Tränen, besonders als ehemalige Kindernachwuchstalente aus der Sendung noch einmal auftraten. Vor dem Abschied holte er seine Partnerin Eva Luginger und Tochter Johanna auf die Bühne, küsste Luginger und bedankte sich bei der ARD. Seine letzten Worte nach 31 Jahren Sendungsgeschichte lauteten, [wie er gegenüber t-online sagte: „Das war ‚Immer wieder sonntags'. 31 Jahre. Alles Gute." Rund 1,6 Millionen Menschen verfolgten diese letzte Ausgabe. Eine Woche später, am 13. September, zeigte der SWR noch ein Best-of der Abschiedsstaffel als eine Art zweiten, nachträglichen Schlusspunkt.
Fassungslose Fans: Wie die Zuschauer reagierten
Dass eine Sendung mit stabilen 1,3 Millionen Zuschauern abgesetzt wird, sorgte nicht nur bei Mross selbst für Unverständnis. Unter seinem Abschiedspost auf Instagram häuften sich, [wie Blick berichtete](www.blick.ch/people-tv/international/immer-wieder-sonntags-aus-mross-fans-schaeumen-vor-wut-id22243020.html), kritische Kommentare: „Da hat die ARD einen ganz großen Fehler gemacht. Da hätte man an ganz anderen Ecken sparen können", schrieb eine Nutzerin, eine andere kommentierte knapp: „Bin echt sprachlos." Mehrfach stellten Fans dieselbe Frage: „Wieso wird eine so erfolgreiche Sendung abgesetzt? Kann ich nicht verstehen."
Besonders bewegend war der Kommentar einer Enkelin, die von ihrer 91-jährigen Großmutter berichtete. Diese habe schon andere Volksmusiksendungen verloren und beim Finale weinend vor dem Fernseher gesessen, mit der Frage im Kopf, warum jüngeres Publikum ständig neue Unterhaltungsangebote bekomme, während älteren Zuschauerinnen und Zuschauern ihre liebgewonnenen Sendungen genommen würden. Neben aller Kritik gab es aber auch dankbare Stimmen, die sich bei Mross für die gemeinsamen Jahre bedankten.
Wie es für Mross weitergeht
Ganz zu Ende ist die Geschichte für Mross offenbar noch nicht. Gegenüber t-online bestätigte er, dass Gespräche mit Privatsendern liefen. Für den Fall, dass das Format doch noch eine neue Heimat findet, hält er sich laut eigener Aussage im „Spiegel"-Interview vorsichtshalber den Zeitraum Juli bis September 2027 frei. Dass ARD und SWR ihre Entscheidung revidieren, glaubt er selbst allerdings nicht. Wenige Tage nach dem Finale beschrieb er offen, wie es ihm geht: „Mir geht's natürlich nicht gut. Alles andere wäre gelogen."
Fazit
Am Ende bleibt ein Format, das trotz respektabler Quoten dem Spardruck des Senders zum Opfer fiel. Öffentlich gab Mross zu, dass mit der Sendung auch ein Teil von ihm selbst zu Ende gegangen sei. Ob „Immer wieder sonntags" bei einem anderen Sender eine Zukunft hat, wird sich frühestens 2027 zeigen.